Vögel sind die attraktivste Gruppe nicht nur unter den Tieren, sondern aller Lebewesen. Das behauptet zumindest Deutschlands berühmtester Vogelzugforscher Peter Berthold. Sein Beweis: Millionen von Hobbyornithologen und Birdwatcher. Doch man muss kein Vogelnarr sein, um sich von Farbenpracht, Gesang und Allgegenwart der Vögel beeindrucken zu lassen. "Jeder kann die Faszination erleben und durchaus Parallelen zur Menschenwelt ziehen", schreibt Ernst Paul Dörfler in seinem wunderbaren Buch über das Liebesleben der Vögel.

 

Das beginnt unüberhörbar mit dem schallenden Balzgesang. Um Paarungswillige anzulocken, sind es fast immer die Vogelmänner, die ihr Liedchen schmettern. Ausnahmen, in denen die Weibchen den Ton angeben, stellen Halsbandsittiche und Odinshühnchen da, erzählt Dörfler, der sich bislang weniger als Vogelexperte einen Namen gemacht hat denn als Kenner und Schützer des Elbeflusses. Doch dort in den Auenlandschaften hat er natürlich auch als Vogelkundler Anschauungsunterricht in Hülle und Fülle.

 

Knapp anderthalb Stunden vor Sonnenaufgang beginnt eine Vorstellung, die kaum zu übertreffen sei, schwärmt Dörfler vom Vogelkonzert am frühen Morgen, der sogenannten blauen Stunde. Noch in den letzten Momenten vollständiger Düsternis ertönen die ersten Strophen, die kurz vor Sonnenaufgang ihr Crescendo erreichen, "so, als würden die Sänger den Tag und das Licht herbeisingen wollen". Experten sagen, man könne die Uhr danach stellen.

 

Die ersten Rufer sind "80 Minuten vor dem Sonnenaufgang" die Feldlerche und der Gartenrotschwanz. Nur zehn Minuten später setzt der Hausrotschwanz ein. Genau eine Stunde vor Tagesbeginn zwitschert die Rauchschwalbe, dicht gefolgt von der Singdrossel und der Amsel. Der Kuckuck ruft 50 Minuten vorm Hellwerden, ebenso tun das Rotkehlchen und Kohlmeise. Kurz darauf schließen sich Zaunkönig, Mönchsgrasmücke und Goldammer an. Eine halbe Stunde vorm ersten Sonnenstrahl schmettert der Buchfink sein Lied. Zu den Langschläfern in der Vogelgilde gehören schließlich der Haussperling, der zehn Minuten vor Tagesanbruch zu tschilpen beginnt, und der Star, der gar erst danach von sich hören lässt.

 

Warum ist die Sangeslust der meisten Vögel im Morgengrauen am größten? "Offenbar ist die Schallausbreitung in den frühen Stunden besonders günstig", klärt Dörfler auf und vertieft sich sogleich ins Nachtleben einiger Ausnahmesänger, etwa der Nachtigall, die mit einer Stimme, "die zum Schönsten gehört, was die Vogelwelt zu bieten hat", vornehmlich in der Dunkelheit zur Hochzeit ruft. So gelingt es dem Nachtigallenmann, der zahlreichen Konkurrenz tagesaktiver Vogelsänger aus dem Wege zu gehen und auch ganz sicher erhört zu werden.

 

Schafft es der Nachtigallenhahn damit allerdings nicht, ein Weibchen zur Paarung zu bewegen, "singt er aus schierer Verzweiflung unaufhörlich und monatelang die gesamte Brutsaison hindurch. Es sind also die unverpaarten Männchen, die unglücklichen, wenn man so will, die uns am längsten Freude bereiten", schreibt Dörfler mitfühlend.

 

Der menschelnde Sound seines Buches ist zwar in der Fachwelt bisweilen verpönt, in den Zoogeschichten der Lokalzeitungen aber gang und gäbe. Und schließlich will der Naturexperte bilden und unterhalten zugleich, damit der Leser auch dranbleibt und vielleicht unbemerkt eine engere Beziehung zur Natur aufbaut. Im Fall der Vögel sei das nicht schwer, sagt Vogelprofessor Berthold, drängten sich die Piepmätze einem doch derart auf, dass man, so man bei Sinnen ist, sie selbst im Bett draußen hören und Ornithologie betreiben könne. Um allerdings die Liebe der Vögel mit eigenen Augen zu sehen – nicht selten ein öffentlicher Akt – muss man die Schlafstatt schon mal verlassen. Oder Dörflers Buch lesen, das reich illustriert ist.

 

von Tim Bartels

 

Ernst Paul Dörfler: Die Liebe der Vögel. Vom ersten Lustgeträller bis zur Reise in den Süden. 211 S. 28 Euro Verlag Janos Stekovics, Anna Heintze-Stekovics, Straße des Friedens 10, 06198 Wettin, OT Dößel, Fon 034607/21088, Fax 034607/21203, verlag@steko.net, externer Hyperlink in neuem Fenster öffnen www.onlinebuch.com

 

 

 

Wie wir Vögeln helfen können

 

von Ernst Paul Dörfler

 

1. Es genügt nicht, Vögel im Winter zu füttern. Damit helfen wir nur wenigen, meist nicht bedrohten Arten. Die hochgradig gefährdeten Vogelarten brauchen ganz besondere Lebensräume: Wälder mit alten Bäumen, lebendige Flüsse mit unverbauten Ufern und weiten Auen, offene Heiden, nasse Moore und feuchte Wiesen.

 

2. Wo früher Moore und Sümpfe waren, kann eine Wiedervernässung erfolgen. Damit das Wasser in der Landschaft bleibt, müsste man künstliche Entwässerungsgräben wieder schließen. Wasserspeicher werden im Zuge des Klimawandels immer wichtiger. An Flüssen und Bächen ist Renaturierung angesagt. Als Schutz für brütende Vögel ist eine dichte Ufervegetation wichtig.

 

3. Wo früher Moore und Sümpfe waren, kann eine Wiedervernässung erfolgen. Damit das Wasser in der Landschaft bleibt, müsste man künstliche Entwässerungsgräben wieder schließen. Wasserspeicher werden im Zuge des Klimawandels immer wichtiger. An Flüssen und Bächen ist Renaturierung angesagt. Als Schutz für brütende Vögel ist eine dichte Ufervegetation wichtig.

 

4. In Wäldern, Parks und Gärten darf mehr Mut zur Wildnis aufgebracht werden, damit Vögeln Versteckmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

 

5. Für effektiveren Naturschutz braucht es mehr finanzielle Unterstützung, mehr öffentliches und privates Geld. Naturschutz gibt es nicht kostenlos. Dennoch und gerade deshalb sind Spenden dringend notwendig und eine gute Anlage für die Zukunft. Es gilt, die Arbeit für Umweltschutz und Umweltbildung zu finanzieren. Es geht aber auch darum, Flächen zu erwerben und im Sinne der zu schützenden Pflanzen und Tiere zu pflegen.

 

6. Jeder Mensch kann selbst helfen, in seinem Umfeld die Lebensumstände der Vögel zu verbessern. Denn jeder kann sich beispielsweise fragen, wie er sein Leben naturschonender einrichten könnte, indem er seinen Flächen-, Energie- und Rohstoffverbrauch reduziert.