Genuss auf dem Mehrweg
Mehrweg ist auf dem Rückzug. Das umweltfreundliche System, bei dem die Flaschen mehrfach wiederbefüllt werden, steckt in der Krise. Drei von vier Erfrischungsgetränken werden nämlich mittlerweile in Einwegflaschen gekauft, die zwar zurückgebracht, aber nicht wiederverwendet werden. Um vor allem der Glasflasche beim Verbraucher wieder zum Erfolg zu verhelfen, betonen Mehrwegschützer jetzt den Beitrag des Mehrwegssystems für den Klimaschutz.
"Der große Gewinner ist eindeutig PET-Einweg", sagt die Abfallexpertin der Deutschen Umwelthilfe, Maria Elander. PET steht für den unaussprechlichen Kunststoff Poly-Ethylen-Terephthalat, aus dem die meisten Plastikflaschen bestehen. Diese Einwegverpackungen kommen zwar mittlerweile in die Läden wieder zurück, weil die Kunden dafür Pfand bezahlt haben. Doch dieses Leergut wird entweder verbrannt oder geschreddert und als Sekundärrohstoff für andere Produkte verkauft. Bestenfalls werden daraus aufwändig und energieintensiv neue Einwegflaschen hergestellt.
Ganz anders die Mehrwegflasche, die neben Glas ebenfalls aus PET bestehen kann, dann aber dickwandiger und stabiler ist und so bis zu 20 Mal wiederbefüllt wird. Mehr als doppelt so viele Umläufe hat die Glasflasche, die damit am effizientesten das Abfallaufkommen reduziert – und so auch sehr viel wirkungsvoller das Klima schützt. Durch die häufige Wiederbefüllung und die in der Regel kurzen Transportstrecken von Mehrwegflaschen werden für Mineralwasser in Mehrwegflaschen nur 50 bis 60 Prozent des klimaschädlichen CO2 erzeugt wie für Wasser in Einwegflaschen aus Plastik. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Ökobilanz des Heidelberger Ifeu-Instituts. Demnach verursachen tausend Liter Mineralwasser in Glasmehrwegflaschen 84 Kilogramm CO2-Emissionen; die gleiche Menge in Einwegflaschen aus Plastik emittiert
139 Kilogramm CO2. Der Grund: Die Anderthalb-Liter-Flaschen der Discounter verbrauchen als Einweg nicht nur mehr Ressourcen, sie legen auch wesentlich weitere Transportwege zurück, weil es hierzulande nur fünf Großabfüller mit 16 Außenposten gibt. Dagegen haben die mehrwegorientierten Mineralwasserbrunnen rund 180 Standorte, an denen sie die einheitliche Flasche wiederbefüllen. Somit ist Mineralwasser in Mehrwegflaschen durchschnittlich 258 Kilometer bis zum Kunden unterwegs; Mineralwasser in Plastik-Einweg dagegen legt 482 Kilometer zurück und verursacht so mehr CO2.
Neben dem Vorteil des Mehrwegssystems für den Klimaschutz bleibt aber das triftigste Argument für Mehrweggetränke deren höherer Genuss: Getränke in Glasflaschen schmecken einfach besser als in Plastikverpackungen. Das beweist nicht nur das Bier, das fast ausschließlich in der Glaspulle genossen wird. Auch Mineralwasser wird im Glas geschmacklich nicht von der Verpackung beeinträchtigt.
von Tim Bartels
Den Flyer der Kampagne Mehrweg ist Klimaschutz erhalten Sie als PDF-Datei unter
www.duh.de/uploads/media/Mehrweg_ist_Klimaschutz_Flyer_2009_Druck.pdf
Weitere Infos zu Mehrweg und Mehrweg-Zeichen finden Sie unter
www.mehrweg.org
Fünf Gründe für Mehrweg
1. Mehrweg reduziert den Abfall. Zwar gibt man auch Einwegflaschen zumeist wieder zum Händler zurück, um sein Pfand zu erhalten, doch die leeren Plastikpullen werden nicht wiederbefüllt, sondern sind Abfall und dienen als Sekundärrohstoff. Glasflaschen dagegen werden durchschnittlich 40 Mal wiederbefüllt, PET-Mehrwegflaschen etwa 15 bis 25 Mal, ehe sie eingeschmolzen werden.
2. Mehrweg stützt die Region. Getränkeabfüller verständigen sich auf ein Flaschenmodell, reinigen leere Flaschen und befüllen sie neu. Die leeren Flaschen müssen nicht weit transportiert werden, der nächstgelegene Abfüller macht sie wieder voll. Dass das funktioniert, machen Bierbrauer vor, die knapp 90 Prozent des bundesweit getrunkenen Bieres in solchen Systemen zirkulieren lassen.
3. Mehrweg erhält Arbeitsplätze. "Für die Abfüllung und den Vertrieb von Einweg über die Discounter werden bis zu 80 Prozent weniger Arbeitsplätze benötigt als beim mittelständisch geprägten Mehrwegsystem", sagt der Verbandsvorsteher des Getränke-Einzelhandels, Sepp Gail. Die Umstellung auf Einwegflaschen in wenigen Großbetrieben habe den Verlust eines Großteils der 160 000 regionalen Arbeitsplätze in der Getränkewirtschaft zur Folge.
4. Mehrweg schützt das Klima. Tausend Liter Wasser in Glasmehrwegflaschen verursachen 84 Kilogramm Kohlendioxid-Emissionen, die gleiche Menge in Einwegplastikflaschen 139 Kilogramm. Für die PET-Plastikflasche gilt: Einweg verursacht doppelt so viel Kohlendioxid wie Mehrweg.
5. Mehrweg schmeckt besser. Bier in PET-Flaschen oder billiges Discounter-Wasser in Plastikeinwegpullen versprechen keinen Hochgenuss. Bei der Produktion von PET-Flaschen entsteht nämlich Acetaldehyd, das nach der Befüllung ins Getränk übergehen kann. Der Stoff ist zwar nicht gefährlich, beeinträchtigt aber den Geschmack. Allein für teurere Marken in PET-Mehrwegflaschen wird daher ein Acetaldehyd-Blocker eingesetzt.
Der Getränkekarton …
… gilt als ähnlich umweltschonend wie die Mehrwegglasflasche. Grund dafür sind die relativ schweren Glasflaschen. Sie büßen im Vergleich zu Kartons umso mehr an Vorteilen ein, je weiter sie zum Verbraucher und zurück zum Befüllort transportiert werden müssen.
Aufgebaut sind Getränkekartons aus mehreren Schichten. Frischmilchkarton etwa ist umgeben von einer Polyethy-len(PE)-Folie. Ultrahocherhitzte H-Milch hingegen muss gegenüber der Außenluft durch eine Aluminumfolie gegen Licht und Luft abgeschirmt werden. Das ergibt fünf Schichten: PE, Karton, PE, Alufolie, PE.
Das Aluminium erschwert die Wiederverwertung deutlich. Aluminium macht am Getränkekarton zwar nur drei Prozent der Materialien aus, verursacht aber 300 Prozent der Probleme beim Recycling.
