Surfen auf der Ökowelle
Es gab eine Zeit, in der die elektronische Datenverarbeitung (EDV) als besonders ressourcenschonend angesehen wurde, weil sie theoretisch ohne Papier auskommt. Die Praxis beweist das Gegenteil: Heute wird in Büros mehr Papier verbraucht als je zuvor. Und die EDV ist ein ernsthafter Klimakiller geworden, weil immer mehr und leistungsfähigere Rechner und Rechenzentren auch immer mehr Strom verbrauchen. Selbstverständlich sind Computer und Internet aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Doch oft werden mehr Energie und Ressourcen als nötig verbraucht. Das Umweltbundesamt gibt deshalb Tipps, die Energie und Ressourcen einsparen helfen und obendrein Ihren Geldbeutel schonen.
1. Rüsten Sie ab: Für Texte, Internet und E-Mail brauchen Sie keinen Hochleistungs-PC. Weniger leistungsstarke Computer und damit auch billigere Geräte reichen für vieles völlig aus. Zum Vergleich: Ein Gamer-PC für Spiele kann bis zu 767 Kilowattstunden pro Jahr benötigen und damit 151 Euro Stromkosten verursachen, ein sparsamer Multimedia-PC kommt auf nur 88 Kilowattstunden und 17 Euro.
2. Platzsparer mit wenig Energieverbrauch: Mini-PC oder Laptop. Die reichen für Office-Anwendungen und Internet häufig aus und sorgen für mehr Platz auf und unterm Schreibtisch. Zudem senken sie den Geräuschpegel und sparen Strom: Nur zwischen 22 und 50 Kilowattstunden verbrauchen Mini-PCs und Laptops jährlich (gegenüber 120 Kilowattstunden für ein Desktop-PC). Mit dem WLAN-Laptop auf den Knien wird die ganze Wohnung zum Büro. Laptops enthalten gegenüber einem PC auch viel weniger Kunststoff, Glas und teure Edelmetalle. So werden wertvolle Rohstoffe eingespart.
3. Nutzen Sie das Energiesparmanagement Ihres Computers. So wechselt der PC bei Inaktivität automatisch in einen Schlaf- oder Energiesparmodus. Statt 80 Watt im Betriebszustand braucht er im Stand-by dann nur ein bis vier Watt. Sie können frei wählen, wann sich Monitor und Rechner in den Standby-Modus legen (s. unter "Energieoptionen" in der Systemsteuerung) und sparen so bis zu 60 Euro pro Jahr.
4. Verzichten Sie auf Bildschirmschoner. Die sind bei modernen Monitoren unnötig, verbrauchen mehr Strom, als wenn der Monitor in den Ruhezustand versetzt (oder „bei Inaktivität einfach abgeblendet“) wird. Weiterhin lässt sich Strom durch Regelung der Helligkeit des Monitors sparen. Statt 30 Watt bei voller Helligkeit, lässt sich die an Plätzen ohne direkte Sonneneinstrahlung auf 20 Watt reduzieren.
5. Gehen Sie sparsam mit dem Ausdrucken von Dokumenten um. Am besten drucken Sie nur das, was Sie wirklich in Papierform benötigen, und das standardmäßig doppelseitig und auf Recyclingpapier.
6. Ziehen Sie Ladegeräte nach dem Aufladen aus der Steckdose. An die Steckdose angeschlossene Ladegeräte, zum Beispiel für Handy oder Laptop, können Strom verbrauchen, auch wenn sie das Gerät gerade nicht aufladen. Deshalb Ladegeräte nach dem Aufladen vom Netz trennen.
7. Entsorgen Sie Elektroschrott richtig. PCs, Handys und Laptops enthalten Blei, Quecksilber und Cadmium und andere Stoffe, die gesundheitsschädlich sind, und gehören deshalb nicht in den Hausmüll. Außerdem ist es aus umwelt- und ressourcenpolitischer Sicht sinnvoll, wertvolle Rohstoffe wieder zurückzugewinnen. Sie können helfen, indem Sie alten Elektronikschrott bei den Sammelstellen der Städte und Gemeinden abgeben.
8. Nachrüsten statt neu kaufen. Die Produktion nur eines PCs mit Monitor verbraucht rund 2 790 Kilowattstunden Energie und setzt damit rund 850 Kilogramm Treibhausgase frei. Außerdem werden 1 500 Liter Wasser und 23 Kilogramm verschiedener Chemikalien benötigt. In jedem elektronischen Bauteil stecken meist auch seltene Metalle wie Gold, Silber, Tantal oder Platin. Ihre Förderung belastet die Umwelt und natürliche Ressourcen ebenfalls. Achten Sie beim Kauf eines Computers deshalb darauf, dass er sich aufrüsten lässt, etwa über ausreichende Schnittstellen und austauschbare Komponenten.
9. Weniger ist mehr: Multifunktionsgeräte. Drucker, Kopierer, Scanner oder Faxgeräte gibt es auch als vollwertige Multifunktionsgeräte. Die Kombination aller Funktionen in einem Gerät vermeidet den Stromverbrauch im Leerlauf (Stand-by) mehrerer Einzelgeräte. Dies ist deswegen bedeutsam, weil Drucker, Scanner und andere Peripheriegeräte einen gro-ßen Teil des Stroms während der Betriebsbereitschaft verbrauchen. Ein zusätzlicher Effekt: Um ein Multifunktionsgerät herzustellen, ist ein viel geringerer Materialaufwand für Kunststoff, Glas, Metalle und Edelmetalle nötig als für ein Einzelgerät.
10. Schonen Sie aufladbare Batterien oder Akkus. Moderne Laptops haben Lithium-Ionen-Akkus, die bis zu fünf Jahre halten können. Allerdings nur bei richtiger Pflege. Vermeiden Sie, teilweise entladene Akkus ständig nachzuladen. Und wenn Sie das Notebook am Netz betreiben, empfiehlt es sich, den Akku herauszunehmen, damit er nicht unnötig hohen Temperaturen ausgesetzt ist.
11. Nehmen Sie elektrische Geräte vom Netz. Die verbrauchen nämlich oft auch dann Strom, wenn sie nicht in Betrieb sind. Trennen Sie die deshalb nach Gebrauch ganz vom Stromnetz, zum Beispiel durch ausschaltbare Steckerleisten. Können Sie Modem oder Router nicht vom Netz nehmen, weil das Gerät Internet und Telefon kombiniert, lohnt ein Blick in die Bedienungsanleitung: Oft lassen sich Funktionen wie das WLAN deaktivieren. Router für Telefon und Internet, die ständig am Netz sind, können den Strombedarf eines Kühlschranks erreichen. Wer Computer mit Monitor, Drucker und Router richtig ausschaltet, spart bis zu 40 Euro pro Jahr.
12. Nicht alles auf Festplatten speichern und sparsam surfen. Festplatten verbrauchen aufgrund einer rotierenden Spindel auch im Leerlauf erheblich Strom. Daher empfiehlt es sich, separate Speicher wie CD, externe Festplatten oder USB-Sticks zu nutzen, die nur während des Datenzugriffs Strom benötigen. Beim Surfen im Internet entsteht nur ein Teil des Stromverbrauchs durch den Gebrauch des PC und der angeschlossenen Geräte. Das Gros trägt die Netzinfrastruktur zum Stromverbrauch bei. Eine Google-Anfrage beispielsweise verbraucht durchschnittlich so viel Strom wie eine Energiesparlampe (mit vier Watt) in einer Stunde.
von UBA/Tim Bartels
Weitere Tipps und Informationen gibt es in einer PDF-Broschüre des Umweltbundesamtes:
Computer, Internet und Co – Geld sparen und Klima schützen erhalten Sie unter
www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3725.pdf
