Im Wettbewerb um den Verbraucherschutz
Zum zweiten Mal nach 2005 (vgl. UKÖB 25-26/05, S. 5) hat die Umweltorganisation Greenpeace Obst und Gemüse aus deutschen Supermärkten auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln (Pestizide) untersucht. Das Ergebnis ist durchaus überraschend: Ausgerechnet die Billigdiscounter Lidl und Aldi schneiden dieses Mal am besten ab.
Lidl war vor anderthalb Jahren in puncto pestizidfreie Ware noch abgeschlagen auf dem letzten Platz gelandet; nun plötzlich Spitzenreiter. Wie das? "Die Discounter Lidl und Aldi haben nach unserem ersten Test im Jahr 2005 viel unternommen, um die Belastung mit Pestiziden zu verringern und hängen jetzt die Konkurrenz ab", lobt Green-peace-Chemieexperte Manfred Krautter. Die Handelsketten könnten offenbar schnell auf bessere Ware umstellen, sagt Krautter: "Wenn sie nur wollen." Die Lidl-Lieferanten wurden ausdrücklich dazu aufgefordert, nur noch gering belastete Ware anzubieten.
Das ist aber auch das einzig positive Ergebnis des aktuellen Greenpeace-Tests. Denn gänzlich pestizidfreie Ware findet sich auch bei Lidl und Aldi nur im Biosortiment. Generell für alle getesteten Unternehmen urteilt Krautter: "Im Obst und Gemüse der Supermärkte stecken nach wie vor zu viele Pestizide." Denn kein einziges Angebot war wirklich befriedigend. Vor allem die Marktketten Kaisers/Tengelmann, Edeka und Rewe verkaufen laut Greenpeace "das am stärksten mit Pestiziden belastete Obst und Gemüse in Deutschland". Kaufhof, Real und Billa liegen im Mittelfeld. Ein Viertel der 576 eingesammelten Obst- und Gemüseproben bewerteten die Verbraucherschützer wegen zu hoher Spritzmittelgehalte als "nicht empfehlenswert". Bei Lidl waren es trotz Platz eins immerhin auch noch 16 Prozent, bei Tengelmann schlechte 34 Prozent der Produkte. In zwölf Prozent der Proben wurden die gesetzlichen Grenzwerte erreicht oder überschritten. Vor allem Trauben und Kopfsalat seien teilweise derart hoch belastet gewesen, berichtet Greenpeace-Mann Krautter, dass deren Verzehr die Gesundheit von Kleinkindern hätte gefährden können. Pestizide in Lebensmitteln können den Hormonhaushalt und das Immunsystem beeinträchtigen, Krebs auslösen oder das Nervensystem schädigen. Für die Pestizidbelastung der Lebensmittel ist aber nicht nur entscheidend, wo eingekauft wird, sondern auch was eingekauft wird: Paprika, Trauben und Salat sind häufig stark belastet; Bananen, Kiwis oder Kartoffeln hingegen eher weniger. Auch das Herkunftsland auf dem Etikett sagt schon viel aus: Tomaten aus Italien beispielsweise schnitten im Test nicht sehr gut ab.
Wie Sie pestizidbelastete Ware vermeiden können:
Greenpeace gibt Ihnen fünf Tipps, worauf Sie beim Einkauf und Verzehr von Obst und Gemüse achten sollten:
- Überlegen Sie sich genau, in welchem Supermarkt Sie Ihr Obst und Gemüse kaufen wollen. Denn je nach Anbieter gibt es, wie der Greenpeace-Test beweist, klare Qualitätsunterschiede. Lidl hatte nach dem schlechten Abschneiden der ersten Untersuchung Umsatzeinbußen erlitten und daraus gelernt: Der Konzern verschärfte die Giftkontrollen und wies seine Lieferanten an, die Spritzmittelbelastungen der Ware auf maximal ein Drittel der gesetzlichen Höchstmengen zu reduzieren. Die Ergebnisse des aktuellen Supermarkt-Rankings hat Greenpeace in einem kostenlosen Ratgeber veröffentlicht (zu beziehen unter Fon 040/30618-120 oder unter www.greenpeace.de).
- Für Ihre Kleinkinder sollten Sie möglichst ausschließlich Biokost zubereiten. Denn in der ökologischen Landwirtschaft wird auf künstliche Spritzmittel grundsätzlich verzichtet, Rückstände sind daher die Ausnahme. Bioobst und Biogemüse sind zwar teurer als ihre konventionellen Pendants. Doch dafür können Sie bei der Bioware sicher sein, keine Pestizide mitzuessen.
- Achten Sie auf das Herkunftsland des Lebensmittels. Rund 70 Prozent des hierzulande verkauften Obst und Gemüses wird importiert. Der größte Teil davon kommt aus Südeuropa, wo auf riesigen Monokulturen, die extrem pilz- und insektenanfällig sind, sehr häufig die Giftspritze zum Einsatz kommen muss. Produkte aus Südeuropa sind daher im Schnitt stärker mit Pestiziden belastet als in Deutschland produzierte Ware.
- Kaufen Sie Obst und Gemüse möglichst dann, wenn die Früchte bei uns Saison haben. Denn je nach Saison schwankt die Pestizidbelastung bei bestimmten Produkten erheblich. So enthalten Früherdbeeren, die von Januar bis Mai angeboten werden, meist mehr Pestizide als Erdbeeren aus der heimischen Hauptsaison von Juni an.
- Spülen Sie Obst und Gemüse gründlich unter fließendem Wasser. So lässt sich zwar nur ein Teil der Rückstände beseitigen, aber immerhin. Zudem sollten Sie nach dem Schälen von Zitrusfrüchten ihre Hände waschen, da sonst beim Essen leicht Schadstoffe aus der Schale mit verzehrt werden.
von Tim Bartels
Der Einkaufsratgeber Essen ohne Pestizide steht für Sie zum Download bereit unter
www.greenpeace.de/themen/chemie/nachrichten/artikel/supermarktvergleich_wo_kaufen_sie_ihre_pestizide/
