Doppelte Dividende

Vor zehn Jahren waren grüne Geldanlagen noch weitgehend unbekannt. Mittlerweile aber hat sich aus der einstigen Nische nachhaltigen Investments ein Milliardenmarkt entwickelt. Auch deutsche Haushalte investieren zunehmend in sozial und ökologisch unbedenkliche Unternehmen, ohne dabei auf eine Rendite verzichten zu müssen – plus dem guten Gewissen, weder natürliche Ressourcen noch menschliche Arbeitskraft auszubeuten, weder Atomkraftwerke noch Waffen mitzufinanzieren.

 

Was sind grüne Geldanlagen?

Als Kunde eines konventionellen Kreditinstitutes „arbeitet“ Ihr Geld, ohne dass Sie erfahren, wofür es genutzt und an wen es verliehen wird. Kreditnehmer kann also auch ein Rüstungsunternehmen oder ein Textilproduzent sein, der seine Ware von Kindern in Entwicklungsländern herstellen lässt. Zu diesem anonymen Bankgeschäft bilden grüne Anlageformen einen Gegenpol. An solche Produkte legen die Initiatoren nämlich nachhaltige Kriterien an, die ein Investment in Chemie, Rüstung, Atomkraft oder Gentechnik ausschließen bzw. nachhaltige Projekte vorschreiben: beispielsweise Anlagen in erneuerbare Energien, soziale Förderprojekte oder ökologische Landwirtschaft.

 

Welche Anlageformen und Anbieter gibt es?

Zu fast jeder konventionellen Geldanlage gibt es mittlerweile eine grüne Variante: von Sparbüchern, Aktien über spekulative Investmentfonds und Firmenbeteiligungen mit vollem Unternehmerrisiko bis hin zu Lebens- und Rentenversicherun-gen. Die Anlage auf grüne Konten bieten darauf spezialisierte Banken wie die GLS Gemeinschaftsbank eG in Bochum, die Umweltbank AG in Nürnberg und die EthikBank in Eisenberg.

Weniger geregelt ist dagegen der Markt der direkten Unternehmensbeteiligungen für konkrete Projekte. Die so genannten geschlossenen Fonds dienen beispielsweise dazu, genug Kapital für geplante Windkraftanlagen oder Solarparks anzuhäufen. „Wer hier einsteigt, wird Unternehmer – mit allen Chancen und Risiken“, betont die Verbraucherzentrale NRW. Die Rendite sei stabil und über Jahre im Voraus kalkulierbar, meinen Max Deml und Hanne May in ihrem Jahrbuch für ethisch-ökologische Geldanlagen. „Vorausgesetzt alles geht gut“, so die Autoren. Denn die Praxis habe leider oft auch das Gegenteil bewiesen: „Werden Projekte falsch kalkuliert, Erlöse schön und künftige Kosten klein gerechnet, ist die Rendite-Prognose schnell Makulatur.“ Anleger von Windenergiefonds haben dies leidvoll erfahren müssen: Geplante Ausschüttungen konnten in jenen Fällen nicht gezahlt werden.

 

Wie können Sie sich vor unseriösen Angeboten schützen?

Blindes Vertrauen in der Hoffnung auf die hohen moralischen Ansprüche grüner Geldanlagen sei daher fehl am Platz, warnt die Verbraucherzentrale NRW: „Denn wie immer, wenn es um Geld geht: Auch in diesem Markt tummeln sich schwarze Schafe.“ Die Verbraucherschützer halt en Vorsicht immer dann für geboten, wenn ein Anbieter unaufgefordert an Sie herantritt. Verspricht er Ihnen dann noch marktunübliche Renditen – nehmen Sie als Maßstab für sichere Geldan-lagen die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen –, ist ebenfalls Skepis angezeigt. Zudem sollten Sie dem Anbieter misstrauen, wenn er Ihnen das Produkt als Steuersparmodell verkaufen will, obwohl ihm Ihre Einkommensverhältnisse gar nicht bekannt sind.

Und manche Anbieter versuchen, den Kunden unter Zeitdruck zu setzen, um einen schnellen Vertragsabschluss zu er-reichen. Auch da heißt es, vorsichtig sein. Ein beliebter Trick, um an Ihr Geld zu kommen, warnt die Verbraucherzentrale NRW, sei es auch, zunächst kleinere Geschäfte abzuschließen, die positiv verlaufen, um Sie in Sicherheit zu wiegen. Ihr hierdurch gewonnenes Vertrauen werde dann gnadenlos ausgenutzt, und jede weitere Geldanlage könnte daraufhin zu Verlusten führen.

 

Welchen Nutzen für die Umwelt hat grünes Geld?

Ohne privates Engagement und privates Kapital wäre in dem vergangenen Jahrzehnt wohl nur ein Bruchteil der inzwi-schen mehr als 17 000 Windkraftanlagen errichtet worden. Und ohne den daraus gewonnenen Ökostrom läge der Anteil der erneuerbaren Energien am deutschen Strommix nicht bei mittlerweile mehr als zehn Prozent – die Schadstoffbelastung aufgrund des Einsatzes fossiler Energien wäre also entsprechend höher.

Ein weiterer Umweltnutzen: Grüne Geldanlagen führen zu einem verbesserten Umweltmanagement in Unternehmen. Die ökologische Bewertung von Anlageobjekten erfordert nämlich umfangreiche umweltbezogene Daten, die die Firmen sammeln und bereitstellen. Diese Daten müssen die Anbieter der ethisch-ökologischen Geldanlagen kritisch analysieren, um die Umweltbilanz verschiedener Unternehmen miteinander vergleichen zu können. Im besten Fall ergibt sich daraus ein Umweltwettbewerb, wenn Firmen versuchen, in Sachen Umweltmanagement besser zu sein als die Konkurrenz.

 

von Tim Bartels

 

Den Ratgeber Ethisches Investment der Verbraucherzentrale NRW können Sie für 7,90 Euro bestellen unter www. verbraucherzentrale-nrw.de/UNIQ115942882623652/link197911A.html

Die Broschüre Mehr Wert: Ökologische Geldanlagen (74 S. inkl. Österreich-Teil) erhalten Sie als PDF-Datei unter externer Hyperlink in neuem Fenster öffnen www.oegut.at/downloads/pdf/broschuere_mehr_wert.pdf

Deml/May: Grünes Geld – Jahrbuch für ethisch-ökologische Geldanlagen 2005/2006, 304 S. 19,90 Euro. ISBN 3-936682-90-9