Wasserstoff
Ein Blick auf die Preistafeln der Tankstellen beweist den Zusammenhang: Ein Fass mit 159 Liter Rohöl (= 1 Barrel) kostet mittlerweile die Rekordsumme von mehr als sechzig Dollar. Gleichzeitig verlangen die Konzerne in Deutsch-land so hohe Spritpreise wie nie zuvor. Und langfristig werden Öl und Benzin noch teurer werden, sind sich Exper-ten sicher. Zum Glück basteln praktisch alle Fahrzeugbauer weltweit seit geraumer Zeit an einer Alternative na-mens Wasserstoff (Hydrogen). Dieser Energieträger soll entweder direkt Motoren antreiben oder in Brennstoffzel-len Strom liefern, der wiederum Elektromotoren laufen lässt.
Ökobilanz fällt überzeugend aus
Aber ist diese Alternative wirklich besser? Das wollten Mark Jacobson und seine Kollegen von der Stanford Uni-versität in Kalifornien wissen. Dabei behielten die Forscher neben dem Preis und den Auswirkungen auf das Klima auch im Auge, welche Auswirkungen eine Umstellung auf Wasserstofffahrzeuge zum Beispiel auf die Gesundheit der Menschen haben könnte. So blasen Dieselfahrzeuge jede Menge Feinstaub in die Luft, der langfristig Atem-wegserkrankungen, Krebs und Herzinfarkte verursacht. Nachdem der Katalysator bei Benzinmotoren andere ge-fährliche Schadstoffe weitgehend ausschaltet, ist dieser Feinstaub mittlerweile die wichtigste Gesundheitsgefahr aus dem Straßenverkehr.
Dagegen kommt bei Brennstoffzellen oder Wasserstoffmotoren hinten nur Wasserdampf raus. Selbst wenn die Forscher weitere Schadstoffe berücksichtigen, die bei der Herstellung, dem Transport oder der Lagerung von Wasserstoff entstehen, fällt die Gesamtbilanz für Brennstoffzellenfahrzeuge in punkto Gesundheit überzeugend aus, berichtet das Wissenschaftsmagazin Science: Eine Umstellung auf Wasserstofffahrzeuge würde allein in den USA jedes Jahr 3 700 bis 6 400 Todesfälle vermeiden und eine bis drei Millionen Fälle von Asthma, weil die ge-fährlichen Auspuffgase verschwänden. Da zwischen Alaska und Florida nur ein bis zwei Prozent aller PKW einen Dieselmotor haben, während in Deutschland unter jeder dritten Motorhaube ein Diesel steckt, sollte hierzulande der Effekt sogar noch positiver sein, vermutet der Verkehrsexperte der Umweltorganisation BUND, Werner Reh.
Um die Auswirkungen dieser Hydrogen-Vision auf das Klima zu erfassen, haben die US-Forscher drei Verfahren unter die Lupe genommen, mit denen Wasserstoff für die schöne neue Autowelt hergestellt wird: Am schlechtesten schneidet die Vergasung von Kohle ab, weil dabei jede Menge Treibhausgase entstehen, die das Weltklima auf-heizen. Erheblich besser wird die Situation, wenn der Treibstoff der Zukunft aus Erdgas gewonnen wird. Noch we-niger belastet wird das Klima allerdings, wenn man Wasserstoff aus nachhaltigen Quellen wie zum Beispiel Wind-kraftanlagen gewinnt. Deutschland mit seiner boomenden Windenergie-Industrie scheint also auf dem richtigen Weg. Auch wenn dieser Energieform ein großes Manko bescheinigt wird: Strom aus Windkraft fällt unregelmäßig an und lässt sich nur schwer speichern. Produziert man dagegen mit der Windkraftelektrizität aus Wasser Wasser-stoff, kann man diesen sauberen Treibstoff erheblich besser lagern.
Teurer Sprit plus mehr Gesundheit
Angesichts der aktuellen Spritpreise bleibt da nur noch eine Frage: Kann man sich den sauberen Wasserstoffan-trieb auch leisten? Und da kommen die US-Forscher zu einem überraschenden Ergebnis: Während heute eine Gallone oder knapp vier Liter Benzin in den USA wenig mehr als zwei Dollar kostet, müsste man für die gleiche Energie aus Windkraftwasserstoff zwischen einem und drei Dollar auf den Tisch legen. Da jede Gallone Treibstoff der US-Volkswirtschaft zusätzlich aber auch Gesundheitskosten zwischen 0,29 und 1,80 Dollar aufbürdet, dürfte das Wasserstoffzeitalter die Transportkosten in Amerika zumindest nicht teurer machen. Und weil hierzulande das Benzin mehr als doppelt so teuer wie in Amerika ist, könnte Deutschland von der Umstellung auf Wasserstoffsprit noch stärker profitieren.
von Roland Knauer
Weitere Informationen zum Thema Wasserstoffantrieb erhalten Sie unter
www.hycar.de
