Gute Tropfen sind rar
Weltwassertag 2004
In Deutschland fallen im Schnitt pro Jahr etwa 800 Liter Niederschlag auf jeden Quadratmeter. Wassermangel ist deshalb hierzulande kein Thema, sollte man meinen. Dennoch: Gutes Trinkwasser ist knapp. Dies ist weniger ein Mengen- als vielmehr ein Qualitätsproblem. Denn es ist technisch sehr aufwändig, aus schmutzigem Oberflächen- oder Grundwasser sauberes Trinkwasser zu gewinnen. Deshalb ist es wichtig, mit Wasser schonend und sparsam umzugehen. Wie man das macht, zeigt der Umweltverband BUND in Baden-Württemberg und die Sanitärfirma Geberit in einer neuen Broschüre. Darin geben sie 53 Tipps zum nachhaltigen Umgang mit Wasser.
Sparsam spülen, aber viel trinken
Etwa 130 Liter entnehmen wir pro Tag und Person im Haushalt aus der Trinkwasserleitung. Tatsächlich zum Trinken und Kochen nutzen wir davon lediglich drei bis vier Prozent. Reduzieren Sie den Trinkwasserverbrauch, indem Sie sparsam damit beim Spülen, Putzen, Waschen, Gießen und Autowaschen umgehen. Aber trinken Sie dafür gerne Mal etwas mehr: Schon ohne körperliche Anstrengungen sollten wir mindestens zweieinhalb Liter Flüssigkeit – ohne Kaffee und Alkohol – pro Tag zu uns nehmen.
Unserem Konsum kommt eine große Bedeutung für den schonenden Umgang mit Wasser zu: So beläuft sich beispielsweise der Verbrauch für die Herstellung eines Computers inklusive Monitor auf rund 33 000 Liter. Für ein Kilo Baumwolle auf 7 000 bis 29 000 Liter. Und zur Herstellung eines Autos sind bis zu 200 000 Liter Wasser erforderlich. Achten Sie deshalb beim Kauf auf langlebige Produkte, die reparaturfreundlich, erweiterbar und recyclebar sind. Anderes Beispiel: Für die Landwirtschaft werden in Deutschland pro Jahr etwa 30 000 Tonnen Pflanzenschutzmittel (Pestizide) verkauft. Dabei kann ein Gramm des giftigen Pestizids bis zu zehn Millionen Liter Wasser verunreinigen. Um die natürlichen Ressourcen zu schützen, haben sich die Anbauverbände des Öko-Landbaus darauf geeinigt, auf chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel zu verzichten.
Tipp für Ihren Haushalt: So genannte Trinkwassersprudler sind eine aus Umweltsicht günstige Alternative zu Einweg- und Mehrwegsystemen für Tafelwasser. Das mit Kohlensäure angereicherte Leitungswasser vermeidet Verpackungsmaterial, energieintensive Flaschenreinigung und vor allem die Hin- und Rücktransporte vom Abfüller zum Verbraucher. Zudem ersparen Sie sich durch die Tafelwasserherstellung in Heimarbeit auch das Schleppen von Wasserflaschen.
Hingegen haben Mehrwegflaschen – ganz gleich, ob aus Kunststoff oder Glas – gegenüber Einwegdosen und -flaschen deutliche Umweltvorteile. Sie verbrauchen auf ihrem Lebensweg weniger Rohstoffe und Energie und tragen weniger zum Treibhauseffekt bei: Beispielsweise ist der Wasserbedarf für Milchkartons um fast 70 Prozent höher als bei Glas-Mehrwegflaschen. Kaufen sie Getränke in Mehrwegsystemen von regionalen Abfüllern, dann wird der Umwelt zudem einiges an Transporten erspart.
Tipp im Job: Qualitativ kaum noch einen Unterscheid gibt es zwischen Recyclingpapier und Frischfaserpapier. Aber die Verwendung des Altpapiers schont Ressourcen und spart Energie. Für die Herstellung von einem Kilogramm Papier aus Frischfaser werden einhundert Liter Wasser verbraucht, bei der Herstellung aus Altpapier sind es nur 15 Liter und die Belastung des Abwassers wird zudem auf ein Achtzehntel reduziert.
Eine gute Orientierungshilfe beim Einkauf ist der Blaue Engel. Sie finden ihn sowohl auf Hygiene- als auch auf Schreibpapier.
In der Küche
Kaum zu glauben, aber wahr. Geschirrspülmaschinen sind sparsamer als Handarbeit! Denn: Um zwölf Gedecke von Hand zu reinigen, benötigt man bis zu 50 Liter Wasser. Hinzu kommen 2,5 kWh Strom, um das Wasser zu erwärmen. Dagegen braucht eine Spülmaschine durchschnittlich nur 19 Liter Wasser und 1,4 kWh Strom für die gleiche Menge an schmutzigem Geschirr. Setzt man darüber hinaus die Maschine nur voll beladen in Betrieb, nutzt Sparprogramme und verzichtet für den Wasserhärtebereich Eins auf Salz, hat man spülend Energie, Wasser und Chemie gespart.
In Bad und WC
Wer eine Dusche mit getrennten Drehgriffen für kaltes und warmes Wasser besitzt, braucht oft relativ lange, bis die gewünschte Temperatur erreicht ist. Dagegen reduzieren Einhandmischer die Verluste des verschwenderischen Hin- und Herdrehens. Noch besser ist eine thermostatisch geregelte Mischbatterie, die noch wassersparender zur gewünschten Temperatur kommt.
Rund 45 Liter und damit rund ein Drittel Ihres persönlichen Wasserbedarfs verbrauchen Sie mit alten Spülkästen täglich nach dem "Geschäft" auf der Toilette. Tipp: Durch eine Zwei-Mengen-Spülung oder eine Spül-Stopp-Taste im WC gehen nur drei bzw. sechs Liter statt konstant sechs oder sogar mehr als zehn Liter Wasser pro Spülgang in die Kanalisation. Bei gleicher Hygiene können Sie Ihren Wasserverbrauch hier also um 30 bis 50 Prozent reduzieren.
Im Garten
Als Hobbygärtner sollten Sie ihre Pflanzen nicht mit Leitungswasser begießen. Genauso gut können Sie dazu Regenwasser verwenden. Und zudem können Sie helfen, die Belastung des Grundwassers zu reduzieren. Zum Beispiel indem Sie biologisch gärtnern und auf chemische Dünge-, Pflanzenschutz- und Unkrautvernichtungsmitteln verzichten. Sie können standortgerechte Pflanzen wählen und auf den biologischen Pflanzenschutz ausweichen: durch den Anbau in Mischkulturen oder den gezielten Einsatz von Nützlingen gegen Schädlinge.
von Bernd Schott
Die Broschüre mit 53 Tipps (Titel: ja zum Wasser. Ja zum Leben) erhalten Sie auch in grö0eren Stückzahlen kostenlos bei: Werkstättle e.V., Im Goldäcker 16, D-88630 Pfullendorf, Fon 07552/2000-0, Fax 07552/2000-27, Internet
www.ja-zum-wasser.de
