Klimafeindliches liegen lassen
Viele denken beim Klimaschutz zunächst nur ans Stromsparen oder umweltfreundliche Mobilität. Doch vor allem das eigene Konsumverhalten schlägt sich deutlich in der persönlichen Klimabilanz nieder. „Ob Äpfel aus Neuseeland oder ein neuer großer Plasma-Fernseher – die durch Herstellung und Transport von Konsumgütern und Dienstleistungen verursachten Emissionen machen über die Hälfte der persönlichen Kohlendioxid-Bilanz aus“, sagt Stefanie Schmidl von der Verbraucher-Initiative in Berlin. Ein Online-Ratgeber der Verbraucherschützer zeigt, wie man beim nächsten Einkaufsbummel bewusst klimafreundlich einkaufen kann.
Klimaschädliche Treibhausgase verursacht jedes Produkt. Für dessen Klimawirkung gibt es allerdings Unterschiede, je nach dem wie der Lebensweg einer Ware aussieht, also deren Herstellung, Transportweg, Nutzung und Entsorgung. Für Ihren nächsten Einkauf stellt Ihnen die Verbraucher-Initiative eine Auswahl an klimafreundlichen Produkttypen vor.
Recyclingpapier
Recyclingpapier leistet einen Beitrag zum Klimaschutz. Denn bei dessen Herstellung werden im Vergleich zu Frischfaserpapier weniger Energie, Wasser und Ressourcen verbraucht. So ist beispielsweise weniger Energie dafür nötig, um Kopierpapier aus Altpapier herzustellen als aus Holz. Grund: Der Prozess der Zellstoffherstellung aus Holz ist wegen des aufwendigen Kochvorgangs deutlich energieintensiver als die Herstellung aus Altpapier. Zudem wirken sich im Fall des Frischfaserpapiers auch die langen Wege für Zellstoff aus Asien und Südamerika besonders stark auf den fossilen Ressourcenverbrauch und den Treibhauseffekt aus.
Mehrwegflaschen
Mehrwegflaschen weisen in der Summe ihrer Umwelt- und Klimabelastungen Vorteile gegenüber Einwegverpackungen auf. Denn bei Herstellung und Transport wird weniger Kohlendioxid freigesetzt, Feinstaub ausgestoßen und insgesamt weniger Abfall produziert. Die Deutsche Umwelthilfe hat berechnet, dass der Einkauf von Einweg-Mineralwasser in PET-Plastikflaschen unser Klima mit fast doppelt so hohen Kohlendioxidemissionen belastet wie der Kauf eines regionalen Markenwassers in Glas-Mehrwegflaschen. Einwegverpackungen werden mit hohem Energieaufwand produziert, danach zentral befüllt und über weite Strecken transportiert. Glasmehrwegflaschen können dagegen maximal 50 Mal wiederbefüllt werden. Danach werden sie eingeschmolzen und zu neuen Glasverpackungen verarbeitet.
Holzprodukte
Holzprodukte können der Atmosphäre über längere Zeiträume Kohlendioxid entziehen. Denn der im Holz gespeicherte Kohlenstoff bleibt nach dem Fällen des Baumes im Produkt enthalten. Haben Holzmöbel und Parkettböden ausgedient, geben sie beim Verbrennen die gespeicherte Menge an Kohlendioxid wieder ab, die dann wiederum wachsende Bäume aufnehmen. So entsteht ein neutraler Kohlendioxidkreislauf. Aber Holzprodukt ist nicht gleich Holzprodukt: Klimafreundliche Holzware setzt voraus, dass das Holz keine langen Wege hatte und mit möglichst geringem Maschineneinsatz geerntet wurde. Diese Voraussetzungen erfüllen am besten regionale Hölzer und solche aus nachhaltiger Forstwirtschaft.
Multifunktionsgeräte
Multifunktionsgeräte kombinieren Druck-, Fax-, Scan- und Kopierfunktion und machen so die Herstellung und den Transport mehrerer Einzelgeräte überflüssig. Das spart wertvolle Ressourcen und vermeidet Kohlendioxidemissionen. Sind die Multifunktionsgeräte zudem noch mit dem Blauen Engel gekennzeichnet, benötigen sie weniger Strom als herkömmliche Ware, da sie nur geringe Leerlaufverluste aufweisen. Das heißt: Sie verbrauchen im nichtgenutzten Zustand deutlich weniger Energie.
Fernseher
Wissenschaftler des Öko-Instituts haben ermittelt, dass sehr große Fernseher maximal 800 Kilowattstunden Strom jährlich verbrauchen. Das ist vier- bis achtmal mehr als ein Kühlschrank verbraucht, obwohl dieser Tag und Nacht in Betrieb ist. Vor allem Plasma-Fernseher erwiesen sich im Test oftmals als Stromfresser. Tendenziell gilt, dass der Energieverbrauch mit der Bildgröße und den diversen Zusatzfunktionen steigt. Um unnötigen Stromverbrauch durch Leerlauf zu vermeiden, sollte der Fernseher einen Netzhauptschalter besitzen, um das Gerät vom Netz trennen zu können. Neben dem Öko-Institut unter
www.ecotopten.de bietet auch das EU-Umweltzeichen, die "EU-Blume", Orientierung beim Einkauf energiesparender und recyclinggerechter Fernseher.
Kleidung
Die Produktion herkömmlicher Kleidung geht oft einher mit hohem Energie- und Pestizideinsatz, der Verunreinigung des Wassers und der Verwendung umweltbelastender Farb- und Hilfsstoffe. Ein weiteres Problem stellen die Herstellung der Textilien in Billiglohnländern dar, wo teilweise Menschenrechte mit Füßen getreten werden und Umweltschutz ein Fremdwort ist, und der durch weite Transportwege bedingte Kohlendioxidausstoß. Derzeit gibt es eine Vielzahl von Unternehmen, die Ökotextilien in ihrem Sortiment haben. Diese werden aus biologischen Rohstoffen, gentechnik- und pestizidfrei, ohne gesundheitsschädliche Hilfsstoffe sowie teilweise fair produziert. Textilien aus ökologischer Erzeugung tragen oftmals das Gütesiegel Naturtextil. Vereinzelt führen Textilhändler eigene Biomarken, beispielsweise das Versandhaus Otto die Biomarke Purewear. Auch fair produzierte Kleidung mit dem Siegel TransFair sind mittlerweile in manchen Läden zu finden.
Computer
Das Öko-Institut stellt unter
www.ecotopten.de energiesparsame und damit klimafreundliche Rechner vor. Zu empfehlen sind Geräte, die je nach Ausstattung und Nutzungsintensität zwischen 88 und 234 Kilowattstunden (PC) sowie 22 und 51 (Notebook) leisten. Bei ineffizienten Geräten liegt der Strombedarf umd den Faktor zwei bis drei höher. Das verursacht Mehrkosten in Höhe von 100 Euro und mehr im Jahr. Bei der Auswahl des Rechners sollte dessen Ausstattung auf die individuellen Anwendungswünsche abgestimmt werden. Die Komponenten, die besonders viel Strom verbrauchen, sind Prozessor, Grafikkarte und Bildschirm.
von Tim Bartels
Die Online-Broschüre Klimafreundlich einkaufen erhalten Sie als PDF-Datei unter
www.nachhaltige-produkte.de/media/file/45.Broschuere_Klimafreundlich_einkaufen_verschluesselt.pdf
Rund 300 produktkennzeichnende Label und ihre Kriterien sind erfasst in der Datenbank der Verbraucher-Initiative unter
www.label-online.de
Die Verbraucher Initiative e. V., Stefanie Schmidl, Elsenstraße 106, D-12435 Berlin Fon 030/536073-54, Fax. 030/536073-45, stefanie.schmidl@verbraucher.de
