Fliegender Edelstein wiederentdeckt
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Es ist der Ruf, der einen zuerst auf ihn aufmerksam macht: ein hohes durchdringendes „tjiih“. Danach sieht man den bunt schillernden Vogel pfeilschnell über das Gewässer fliegen. So sieht oft die erste Begegnung mit dem Eisvogel aus. Weil derlei Beobachtungen in Deutschland aber rar sind, haben die Umweltverbände NABU und Landesbund für Vogelschutz (LBV) den Eisvogel zum Vogel des Jahres 2009 gekürt.
Bereits 1973 war dem „fliegenden Edelstein“ diese zweifelhafte Ehre zuteil geworden. Häufiger geworden ist er in Deutschland seitdem trotzdem nicht. Alcedo atthis, so der wissenschaftliche Name des Eisvogels, ist auf sauberes Wasser, naturnahe Bäche, Flüsse, Seen und artenreiche Talauen angewiesen. Dort fühlt er sich wohl. Nur in solchen Biotopen kann er sich von Ästen, die über dem Gewässer hängen, auf seiner Jagd nach kleinen Fischen kopf über ins Wasser stürzen und in natürliche Steilwände seine bis zu einem Meter lange Bruthöhle zimmern.
Doch solche idealen Bedingungen findet er in hierzulande nicht oft. Ornithologen schätzen den Bestand in Deutschland auf 5 600 bis 8 000 Brutpaare. Zwar ist die Wasserqualität vieler Bäche und Flüsse weitaus besser als früher und manche Fließgewässerstrecke mittlerweile renaturiert, doch immer noch sind zu viele Bäche begradigt, mit Staustufen durchsetzt und Gewässerufer verbaut. Nur rund zehn Prozent der hiesigen Fließgewässer stuft das Umweltbundesamt als naturnah ein. In Bayern fürchtet der LBV obendrein, dass bislang noch natürliche Bäche nun für neue Wasserkraftanlagen ausgebaut werden. – Probleme bereiten dem schmucken Fischjäger auch lang andauernde Frostperioden im Winter. Frieren dann die Gewässer zu, findet der Eisvogel keine Nahrung mehr. Bis zu 90 Prozent eines Bestandes können deshalb bei Kälteeinbrüchen verhungern. Die Überlebenden wissen sich danach aber zu helfen: Weil das Weibchen zweimal im Jahr bis zu je sieben Eier legen kann, können hohe Verluste auch bald wieder ausgeglichen werden.
Helfen muss dem Vogel des Jahres nun der Mensch: „Der Eisvogel braucht lebendige Flüsse“, erklären Nabu und LBV. Notwendig sei, mehr Gewässerrandstreifen einzurichten, Überschwemmungsgebiete auszuweisen und auf einen Ausbau von Flüssen und Bächen zu verzichten. Dann könnte man den Eisvogel in Deutschland wieder etwas häufiger beobachten.
von Benjamin Haerdle
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Fünf Tipps zum Eisvogelschutz
1. Erhalt der verbliebenen naturnahen Fließgewässer. Der Eisvogel ist angewiesen auf unverbaute Bach- und Flussverläufe. Nur da, wo der Mensch natürliche Dynamik zulässt, können steile Abbruchkanten entstehen, in denen die Vögel ihre Bruthöhlen bauen können. Wichtig sind außerdem Pufferzonen zu angrenzenden Agrarflächen. So kann der Eintrag von Nährstoffen und Pestiziden verhindert werden.
2. Gewässerrenaturierungen. Werden ehemals vom Menschen kanalisierte Fließgewässer wieder naturnah gemacht, ist dem Eisvogel schon etwas geholfen. Zu achten ist dabei, dass Brutmöglichkeiten in Form künstlicher Steilufer und Sitzwarten geschaffen werden, von wo aus er auf Jagd gehen kann.
3. Kein Einsatz von Düngemitteln und Umweltchemikalien in Gewässernähe. Damit Einträge aus der Landwirtschaft nicht die Wasserqualität verschlechtern und die Fischfauna schädigen, sollten Bewirtschaftungsgrenzen an den Fließgewässern eingehalten werden. Besonders gefährlich sind Hanglagen, weil von dort Nährstoffe und Chemikalien durch Oberflächenabfluss leicht ins Gewässer geschwemmt werden können.
4. Schutz der Brutwände. Der Mangel an Brutplätzen ist einer der wesentlichen Gründe, warum der Eisvogelbestand nicht so recht auf die Beine kommt. Brutwände gilt es deshalb zu erhalten und vor Störungen zu schützen. Sind Steilwände stark zugewachsen oder durch Erosion verflacht, können neue Steilflächen als Brutwand abgestochen werden.
5. Künstliche Nisthilfen. Trifft man zwischen August und Februar außerhalb der Brutzeit einen Eisvogel regelmäßig an einem Gewässerabschnitt an, ist der Bau einer künstlichen Brutwand Erfolg versprechend. Die Brutwand aus Sand und Lehm sollte mindestens drei bis vier Meter lang, zwei Meter hoch und zwei Meter tief sein. Auch künstliche Brutröhren können dem Eisvogel die Fortpflanzung erleichtern.
Der Eisvogel (Alcedo atthis)
• Die Familie der Eisvögel umfasst weltweit fast 100 Arten. Unter denen ist Alcedo atthis in Mitteleuropa der einzige Eisvogel. Die meisten brüten in Afrika und Asien.
• Ob sein Name mit Eis zu tun hat oder sein eisblaues Rückengefieder Pate stand, ist strittig. Manche leiten es vom Althochdeutschen ab: „Eisan“ bedeutet schillern oder glänzen.
• Der Eisvogel brütet Ende März, April in Röhren, die er in Wände von Uferböschungen gräbt. Nach 21 Tagen schlüpfen bis zu sieben Junge, die nach drei Wochen ausfliegen. Später folgt immer eine zweite, seltener eine dritte Brut.
• Nur die Weibchen und Jungvögel ziehen im Winter in wärmere Gefilde; die Männchen harren auch in der kalten Jahreszeit bei uns aus.

