Der Neu-Anspacher Stadtwald

    Etwa 40 % der Stadtflächen sind bewaldet. Während noch zur Zeit der Römer fast das gesamte heutige Stadtgebiet Wald war, wurden während der großen Rodungsperioden im Mittelalter alle für die Landwirtschaft geeigneten Böden gerodet. Noch heute weisen viele Ortsnamen in unserer Region auf diese Rodungen hin (Rod am Berg, Rod an der Weil).

    Heute ist der Wald - mit Ausnahme des Westerfelder Waldes - auf die ärmeren Hanglagen im Stadtgebiet begrenzt.

    Typisch für das Usinger Becken ist die Nutzung der fruchtbaren Talböden furch die Landwirtschaft. Die steinigen Hanglagen bleiben dem Wald vorbehalten.

    Die Hauptgesteine des östlichen Taunus - Schiefer, Grauwacke und Quarz - beinhalten nur wenige Nährstoffe. Diese Gesteine sind auf vielen Waldstandorten häufig nur mit einer dünnen Erdschicht bedeckt. Diese kann nur wenig Wasser speichern, sodass die Forstwirtschaft insbesondere auf den Hanglagen des Hintertaunus nicht von optimalen Bedingungen ausgehen kann.

    Dennoch spielt der Wald in der Region seit jeher eine wichtige Rolle, sowohl wirtschaftlich, als auch im Bewusstsein der Menschen.

    Zur Geschichte des Neu-Anspacher Waldes

    Vor 1850 war der Wald nahezu ausschließlich auf die Gewinnung von Brennholz zugeschnitten. Daneben lieferte er Bauholz für die Fachwerkhäuser und die Bauern trieben ihr Vieh gerne zum Weiden in den Wald, da die landwirtschaftlichen Flächen viel stärker als heute für den Anbau von Feldfrüchten benötigt wurden. Der Laubfall im Herbst wurde mit Rechen eingesammelt und im Winter als Einstreu in die Ställe gestreut.

    Diese sogenannte "Streunutzung" und die Waldweide führten zu einer extremen Auszehrung der Waldböden, sodass der Wald an vielen Stellen in seinem Bestand gefährdet schien.

    Erst mit der Erfindung des Kunstdüngers für die Landwirtschaft und der Entdeckung der Kohle als Energieträger wandelte sich diese traditionelle Waldnutzung allmählich.

    Gleichzeitig wurden überall in Deutschland strenge Forstgesetze erlassen. Insbesondere das "Gesetz der Nachhaltigkeit", das bis heute Gültigkeit hat, war dabei von Bedeutung.

    Es besagte, dass nur noch so viel Holz in den Wäldern eingeschlagen werden durfte wie gleichzeitig nachwuchs. Auf diese Weise konnte der Wald vor der vollständigen Verwüstung bewahrt werden.

    Die verarmten Waldböden wurden mit schnellwachsenden, genügsamen Nadelbäumen aufgeforstet, die sogenannten "Monokulturen", die über hundert Jahre das Bild des Waldes prägten. Die Philosophie der Nadelholzreinbestände dauerte bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts an. Da die Bäume oft über hundert Jahre von der Saat bis zur "Ernte" benötigen, sind diese Bestände auch heute noch in gewissem Umfang im Stadtwald anzutreffen.

    Der Neu-Anspacher Forstbetrieb heute

    Die moderne Forstwirtschaft geht andere Wege. Zum einen haben sich die Waldböden in den vergangenen hundert Jahren wieder erholt, sodass an vielen Stellen auch anspruchsvollere Laubbaumarten gepflanzt werden können.

    Zum anderen wurde aus den Erfahrungen mit Stürmen und Borkenkäferkalamitäten, aber auch aus neuen ökologischen Erkenntnissen heraus die sogenannte "Naturgemäße Waldwirtschaft" entwickelt. Sie wird seit 1991 im Stadtwald Neu-Anspach konsequent umgesetzt. Der Umbau der Monokulturen in stabile und leistungsfähige Mischwälder wird aber noch viele Jahrzehnte in Anspruch nehmen.

    Prägendes Merkmal der "Naturgemäßen Waldwirtschaft" ist der Verzicht auf Kahlschläge und auf den Einsatz von chemischen Mitteln aller Art. Zugleich werden nur Bäume angepflanzt, die auf dem jeweiligen Standort auch natürlicherweise vorkommen könnten.

    Ziel der Forstwirtschaft ist die Überführung von Nadelholzmonokulturen in Laub-/Nadelholzmischbeständen.
    Hier: Mischwald aus Lärche, Kiefer, Fichte und Buche.

    Der Anteil der Laubbäume am Gesamtwald hat sich in den vergangenen Jahren stark erhöht.

    naturgemäßer Buchenbestand als Ergebnis des Verzichts auf Kahlschläge

    Dennoch: Nadelbäume, insbesondere die Fichte oder die nordamerikanische Douglasie werden auch in Zukunft im Neu-Anspacher Wald vertreten sein. Sie werden als umweltfreundlicher Rohstoff insbesondere für Dachstühle, Fertighäuser und alle anderen Arten von Bauholz dringend benötigt und sind auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht nach wie vor die "Brotbäume" des Stadtwaldes.

    Die ökologischen Probleme früherer Waldgenerationen lassen sich nach neueren forstwissenschaftlichen Erkenntnisse sehr stark reduzieren, wenn die Nadelbaumarten in Mischung mit heimischen Laubbaumarten, insbesondere der Buche, angebaut werden.

    Mischwald aus Lärche und Buche

    Zur Zeit findet sich im Neu-Anspacher Stadtwald die folgende Baumartenverteilung:


    Naturschutz im Neu-Anspacher Stadtwald

    Ein wesentliches Merkmal der naturgemäßen Waldwirtschaft ist die Rücksichtnahme und Einbeziehung von Naturschutz im Wald.

    Hierunter ist im Wesentlichen die Wiederherstellung und Pflege besonderer Waldbiotope zu verstehen. Einige Beispiele aus dem Neu-Anspacher Stadtwald:

    • An sonnenexponierten Waldrändern werden Heckengesellschaften angelegt.
    • Quell- und Bachbereiche werden "entfichtet" und mit ihren natürlichen Begleitern wie Erlen und Eschen bepflanzt.
    • Altbäume mit Spechthöhlen oder Greifvogelhorsten werden markiert und dürfen nicht gefällt werden.
    • Einwachsende Waldwiesen werden mit dem Forstmulcher freigehalten und jährlich gemäht.

    Ein Beispiel für den Biotopschutz im Wald ist die Usaquelle oberhalb des Waldschwimmbades. Der Fichtenbestand am Bachlauf wurde stark aufgelichtet und durch die auf nassen Waldstandorten natürlicherweise vorkommenden Schwarzerlen ersetzt. Die kaum erkennbare Usa ist in diesem Bereich größtenteils von Farn bedeckt und im unteren Bildausschnitt als dunkle Rinne zu sehen. Dennoch leben in dem unscheinbaren Rinnsal Frösche, Salamander und Libellenlarven.

    Durch die Naturschutzmaßnahmen im Wald sind heute wieder viele seltene Tierarten im Stadtwald beheimatet, die jahrzehntelang kaum zu sehen waren. Hierzu zählen zum Beispiel der Schwarzspecht und die Hohltaube, aber auch Wildkatze, Haselmaus und einige Fledermausarten sind heute wieder heimliche Bewohner des Waldes.

    Auf nassen Waldwiese gedeihen seltene Orchideen und Seggenarten und auch seltene Bäume wie Wildbirne, Speierling oder Elsbeere werden gezielt angepflanzt und gefördert.

    Bemerkenswert sind auch die großen Vorkommen der geschützten hügelbauenden Waldameisen im Rod am Berger Wald.


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