"Sorgenkinder" für die Landschaftspflege im Usinger Land stellen die Obstwiesen und Hecken dar.

    Noch vor hundert Jahren existierte um nahezu jedes Dorf ein Obstbaumgürtel, sodass auch das Ortsbild durch die Obstnutzung geprägt war. Vor der Zeit der heutigen Supermärkte war die Nutzung der Obstwiesen für die Bevölkerung unverzichtbar. Insbesondere das "Einwecken" der Früchte für den Winter war für die Menschen von besonderer Bedeutung.

    Durch diese wichtige Rolle der Obstwiesen war automatisch auch ihre Pflege (Heumahd und Obstbaumschnitt) sichergestellt.

    Die Obstwiesen sind von außerordentlicher Bedeutung für den Naturschutz. Nahezu 2/3 aller Rote-Liste-Arten, insbesondere seltene Vögel und Schmetterlinge sind hier beheimatet.

    Jedoch sind das Pflücken des Obstes und der Baumschnitt eine mühsame Arbeit. Mit den heutigen großen Landmaschinen wird selbst die Heumahd zwischen den Bäumen für die Landwirte zunehmend uninteressant. Auch mit der ganzjährigen und günstigen Verfügbarkeit von Obst aus den Supermärkten sank das Interesse an den Obstwiesen zusehends.

    Als Folge verschwanden seit den 50er-Jahren immer mehr Obstbäume aus unserer Landschaft. Heute ist fast nur noch 1/10 des ursprünglichen Bestandes vorhanden.

    Nur noch östlich von Westerfeld besteht ein größerer Obstwiesenkomplex, der die frühere Ausdehnung dieses Biotoptyps erahnen lässt.

    Auf Grund ihrer Bedeutung für den Naturschutz bemühen sich die Stadt und auch einige Vereine um den Erhalt der Obstwiesen. In den vergangenen Jahren wurden auch viele neue Obstbäume gepflanzt, so zum Beispiel im Laufe der Geburtenbaumaktion der Stadt oder durch Maschinen- und Pflegegemeinschaft der Hausen-Arnsbacher Landwirte.

    Streuobstwiesen bei Westerfeld. Im Hintergrund Altbäume, im Vordergrund Neubepflanzungen aus dem Jahr 2001.

    Eine besondere Bedeutung für den Naturschutz haben auch die Feldhecken.

    Insbesondere in großräumigen Ackerfluren stellen sie außerhalb der Vegetationszeit Zuflucht und Lebensraum für viele Insekten, Kleinsäuger und Vögel dar. So sind zum Beispiel Hase und Igel, aber auch seltenere Vögel wie der Neuntöter in den Neu-Anspacher Hecken beheimatet

    Je stärker Wiesen und Felder mit Gehölzen vernetzt sind, umso mehr Tierarten finden hier ihren Lebensraum.

    Zur Vernetzung ausgeräumter Feldtüren werden gezielt neue Hecken gepflanzt. Hier eine Pflanzung im Erlenbachtal, die 1999 als Ausgleichsmaßnahme für den Bau der Heisterbachstraße angelegt wurde. 

    Auch die Hecken sind Bestandteil der Kulturlandschaft. Damit sie nicht überaltern, auslichten und in sich zusammenbrechen, müssen sie alle 10 – 15 Jahre zurückgeschnitten werden. Ideal ist auch der Rückschnitt von Hecken bis zur Erde, das sogenannte "Auf den Stock Setzen". Was zunächst wie eine Rodung aussieht, ist in Wirklichkeit für das Überleben der Hecke erforderlich. Die Hecke treibt bereits im kommenden Frühjahr aus den Wurzelstöcken wieder aus und bildet in wenigen Jahren von unten heraus eine neue, dichte Hecke.

    Im Herbst bescheren die Hecken den heimischen Tierarten ein reiches Nahrungsangebot. Hier eine Hecke aus Schlehe und Wildrose.